27.11.2020

Einkommensteuer: Preisgeld f√ľr eine Dissertation

Gelobt wird jeder gern. Wenn die eigene Arbeit anerkannt wird und man noch ein kleines Preisgeld daf√ľr erh√§lt, freut das jeden. Aber muss man ein solches Preisgeld eigentlich versteuern? Oder ist es steuerfrei? Das Finanzgericht K√∂ln (FG) musste in einem Fall¬† entscheiden, bei dem es ein Preisgeld f√ľr eine Dissertation gab.

Die Kl√§gerin war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit√§t D besch√§ftigt. Neben ihrer T√§tigkeit am Lehrstuhl fertigte sie ihre Dissertation an. Mit dem Lehrstuhlinhaber hatte sie vereinbart, dass sie zu Beginn ihrer Promotion mehr f√ľr den Lehrstuhl arbeiten w√ľrde und gegen Ende weniger, damit sie dann mehr Zeit f√ľr ihre Dissertation h√§tte. F√ľr diese erhielt sie im Jahr 2016 einen von der ABC AG gesponserten und von der Universit√§t vergebenen Dissertationspreis. Bei der Veranlagung f√ľr das Jahr 2016 ber√ľcksichtigte das Finanzamt das Preisgeld entgegen der Ansicht der Kl√§gerin als Eink√ľnfte aus nichtselbst√§ndiger T√§tigkeit und die Druckkosten der Dissertation als Werbungskosten.

Die Klage vor dem FG war nicht erfolgreich. Es bestand ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen dem der Kl√§gerin verliehenen Preis und ihren Eink√ľnften aus nichtselbst√§ndiger T√§tigkeit. Das Preisgeld stellt sich nach objektiven Gesichtspunkten f√ľr die Kl√§gerin im weitesten Sinne als Frucht ihrer T√§tigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin dar. Zwar beinhaltete ihr Anstellungsvertrag keine Promotionspflicht, allerdings wurde ihr durch das Anstellungsverh√§ltnis die M√∂glichkeit hierzu er√∂ffnet. Damit ist die Dissertation auch das Ergebnis ihrer bezahlten T√§tigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Das, was sie hierf√ľr erh√§lt, n√§mlich den anteiligen Lohn und auch das Preisgeld, stellt sich als Frucht dieser T√§tigkeit dar. Daneben ist zu ber√ľcksichtigen, dass der Preis durch den ehemaligen Arbeitgeber der Kl√§gerin, die Universit√§t, vergeben wurde. Es spricht zumindest die Lebenserfahrung daf√ľr, dass im Verh√§ltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Zweifel alle Zuwendungen unter dem Gesichtspunkt des Austauschs von Dienstleistung und Gegenleistung erfolgen. Doch unabh√§ngig davon hat die Kl√§gerin selbst ihre Dissertation ihren aktuellen und auch zuk√ľnftigen Eink√ľnften aus nichtselbst√§ndiger Arbeit zugeordnet, indem sie im Streitjahr deren Druckkosten dort als Werbungskosten geltend gemacht hat. Sie bringt damit zum Ausdruck, dass ihre Dissertation durch die Erzielung steuerbarer Einnahmen veranlasst bzw. auf diese gerichtet ist.

Hinweis: Haben Sie Zweifel, ob Sie Einnahmen versteuern m√ľssen oder nicht? Fragen Sie uns!




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