10.11.2020

Einbringung: Verringerte Abschreibung nach √úbertragung auf eine Personengesellschaft?

Die richtige Bemessung der Abschreibung von Wirtschaftsg√ľtern ist teilweise eine Wissenschaft f√ľr sich. Das zeigt auch der Umstand, dass gerade diese regelm√§√üig Gegenstand bei nahezu allen Betriebspr√ľfungen ist. Doch es gilt nicht nur, die richtige Abschreibungsmethode bzw. -dauer zu kennen, auch bei der Abschreibungsbemessungsgrundlage gibt es zahlreiche Besonderheiten. Eine davon zeigt folgendes Beispiel.

Beispiel: Ein Unternehmer vermietet seit 2005 ein in seinem Privatverm√∂gen befindliches Mehrfamilienhaus. Da er durch die Vermietung Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt, macht er die Abschreibung des Geb√§udes bei diesen Eink√ľnften als Werbungskosten geltend. Im Jahr 2020 legt er die vermietete Immobilie zur St√§rkung seines Kapitals in sein Einzelunternehmen ein (als gewillk√ľrtes Betriebsverm√∂gen). Obwohl die Einlage per Gesetz mit dem aktuellen Wert der Immobilie zu bewerten ist, ist dieser Wert gleichwohl nicht die Abschreibungsbemessungsgrundlage: Von dem aktuellen Wert ist zum Zwecke der Abschreibung die Summe der im Privatverm√∂gen geltend gemachten Abschreibungen abzuziehen. Von dem verbleibenden Wert d√ľrfen dann im Einzelunternehmen Abschreibungen vorgenommen werden.

Dass diese - durchaus streitbare - Regelung auch im Fall von Einbringungen in eine Personengesellschaft anzuwenden ist, vertritt nun das Finanzgericht Niedersachsen (FG). Grundsätzlich ist es richtig, dass die Minderung der Abschreibung nur eintritt, wenn es sich um eine Einlage und nicht um einen Tausch handelt, allerdings vertritt das FG eine völlig neue Auffassung hinsichtlich der Frage, wann das eine oder das andere vorliegt.

Die Finanzverwaltung vertritt bisher unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) die Meinung, dass eine Einlage dann nicht vorliegt, wenn im Rahmen der √úbertragung eines Wirtschaftsguts auf eine Personengesellschaft neben dem sogenannten Festkapitalkonto auch ein R√ľcklagenkonto bebucht wird, mit der Folge, dass keine Minderung der Abschreibung eintritt. Genau das will das FG jedoch herbeif√ľhren.

Hinweis: Die Entscheidung ist vorläufig nicht rechtskräftig, denn die Klägerin hat beim BFH Revision gegen das Urteil eingelegt.




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