06.11.2020

Erbschaftsteuer: Steuerfreies Familienheim bei Mehrfachwohnsitz

Wenn man das Familienheim erbt, in dem der Erblasser vorher gewohnt hat und welches man dann selbst weiterhin bewohnt, kann dies steuerfrei sein. Wie ist es aber, wenn der Erblasser nicht nur ein Zuhause hatte, sondern mehrere H├Ąuser? Welches davon ist dann das Familienheim? Das Finanzgericht M├╝nchen (FG) musste dar├╝ber entscheiden, ob ein Erbe das steuerfreie Familienheim oder aber ein steuerpflichtiges Haus geerbt hatte.

Der Vater des minderj├Ąhrigen Kl├Ągers (sein Sohn aus zweiter Ehe) verstarb im Jahr 2014. Zum Todeszeitpunkt war der Vater sowohl in M, X-Stra├če als auch in W wohnhaft. Laut Testament war seine damalige (dritte) Ehefrau Alleinerbin. Der Sohn erhielt ein Verm├Ąchtnis, welches neben Kapitalverm├Âgen ein Haus in M, Y-Stra├če umfasste. In dem Haus in M, Y-Stra├če wohnte der Kl├Ąger mit seiner Mutter (die zweite Ehefrau des Erblassers). Letztere zog im Februar 2013 aus. Der Vater nutzte in dem Haus in M, Y-Stra├če nach seinem Auszug im September 2011 noch einige R├Ąume als Archiv, B├╝ro und Umkleide. Das Finanzamt ber├╝cksichtigte die vom Kl├Ąger beantragte Steuerbefreiung f├╝r das Haus in M, Y-Stra├če als Familienwohnheim nicht und setzte Erbschaftsteuer fest. Nach Ansicht des Kl├Ągers bestand allerdings ein Doppellebensmittelpunkt in M, weshalb auch eine Steuerbefreiung zu gew├Ąhren sei.

Das FG gab dem Kl├Ąger nicht recht. Das Verm├Ąchtnis, das Haus in M, Y-Stra├če, unterliegt der Erbschaftsteuer. Der Erwerb des Eigentums oder Miteigentums an einem unter anderem im Inland belegenen bebauten Grundst├╝ck von Todes wegen durch Kinder des Erblassers ist steuerbefreit, wenn der Erblasser auf dem bebauten Grundst├╝ck bis zum Erbfall eine Wohnung zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat oder wenn er aus zwingenden Gr├╝nden an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert war. Im Streitfall war der Erblasser bereits im September 2011 aus dem Haus in M, Y-Stra├če ausgezogen und hatte den Wohnsitz nach M, X-Stra├če verlegt. Nach dem Auszug seiner Mutter lebte der Kl├Ąger allein in dem Haus in M, Y-Stra├če. Obwohl der Erblasser das Haus in M, Y-Stra├če zu bestimmten begrenzten Zwecken nutzte, war es dennoch kein Familienheim im Sinne der Steuerbefreiungsvorschrift. Als wesentlicher und haupts├Ąchlicher Lebensmittelpunkt des Erblassers kamen vielmehr sein Haus in M, X-Stra├če oder in W in Betracht. Nach Schilderung der Alleinerbin war dieser in W, so dass ihr die Steuerbefreiung f├╝r das Objekt in W gew├Ąhrt wurde.

Hinweis: Sollte es bei einer Erbschaft Kl├Ąrungsbedarf hinsichtlich des Lebensmittelpunkts des Erblassers geben, helfen wir Ihnen gerne.




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