09.10.2020

Einkommensteuer: BahnhofsgelÀnde als DienstgebÀude

Als Arbeitnehmer kann man seine Kosten fĂŒr die Fahrten zwischen Wohnung und erster TĂ€tigkeitsstĂ€tte als Werbungskosten berĂŒcksichtigen. Wenn man in einem BĂŒro arbeitet, ist die Bestimmung der TĂ€tigkeitsstĂ€tte nicht so schwer. Aber wie ist es bei jemandem, der auf einem Fahrzeug tĂ€tig ist? Kann auch er eine TĂ€tigkeitsstĂ€tte haben? Von der Antwort auf diese Frage hĂ€ngt ab, ob die Aufwendungen fĂŒr die einfache Strecke oder fĂŒr die gefahrenen Kilometer als Werbungskosten angesetzt werden können. Einen solchen Fall musste das Finanzgericht Sachsen-Anhalt (FG) entscheiden.

Der KlĂ€ger war Lok- bzw. TriebwagenfĂŒhrer. Er erzielte EinkĂŒnfte aus nichtselbstĂ€ndiger TĂ€tigkeit und machte in seiner EinkommensteuererklĂ€rung arbeitstĂ€gliche Fahrten von seiner Wohnung zum Bahnhof in Z nach DienstreisegrundsĂ€tzen geltend. Auf Nachfrage des Finanzamts sandte der KlĂ€ger diesem eine Bescheinigung seines Arbeitgebers. Darin stand, dass der Bahnhof in Z als erste TĂ€tigkeitsstĂ€tte festgelegt wurde. Das Finanzamt berĂŒcksichtigte daraufhin in der EinkommensteuererklĂ€rung lediglich die einfache Entfernung mit der Entfernungspauschale.

Die Klage vor dem FG war nicht erfolgreich. Beruflich veranlasste Fahrtkosten sind Erwerbsaufwendungen. Die Kosten fĂŒr Fahrten zwischen Wohnung und erster TĂ€tigkeitsstĂ€tte werden fĂŒr jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste TĂ€tigkeitsstĂ€tte aufsucht, grundsĂ€tzlich mit der Entfernungspauschale je Entfernungskilometer angesetzt. Ein Arbeitnehmer kann durch dienst- oder arbeitsrechtliche Festlegung einer ersten TĂ€tigkeitsstĂ€tte zugeordnet werden. Erforderlich, aber auch ausreichend ist, dass der Arbeitnehmer am Ort der ersten TĂ€tigkeitsstĂ€tte zumindest in geringem Umfang TĂ€tigkeiten zu erbringen hat, die er arbeitsvertraglich oder dienstrechtlich schuldet und die zu dem von ihm ausgeĂŒbten Berufsbild gehören. Das BahnhofsgelĂ€nde in Z ist eine großrĂ€umige betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers. Dieser war der KlĂ€ger aufgrund der Arbeitgeberbescheinigung dauerhaft zugeordnet. Der KlĂ€ger wurde auf dem BetriebsgelĂ€nde auch im erforderlichen Umfang tĂ€tig, da er dort zum Beispiel dienstliche Unterlagen entgegennahm oder diverse technische PrĂŒfarbeiten durchfĂŒhrte. Es war daher nur die Entfernungspauschale zu berĂŒcksichtigen.

Hinweis: Welche Aufwendungen Sie in Ihrer EinkommensteuererklĂ€rung berĂŒcksichtigen können, erlĂ€utern wir Ihnen gern.




Haftungshinweis:
Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen zusammengestellt. Eine Haftung kann trotz sorgfĂ€ltiger Bearbeitung nicht ĂŒbernommen werden. Zu dem behandelten Thema wird gerne weitere Auskunft erteilt.

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