30.09.2018

Entwicklungshelfer: Besteuerung des Arbeitslohns nach dem Kassenstaatsprinzip

Die Versteuerung von Gehaltszahlungen aus einer Angestelltent√§tigkeit wird in der Regel vom Arbeitgeber im Rahmen des Lohnsteuerabzugs durchgef√ľhrt. Sp√§testens bei Erhalt des Lohnscheins oder Gehaltszettels, auf dem s√§mtliche Abz√ľge aufgef√ľhrt sind, wird das auch jedem steuerlichen Laien klar. Kompliziert - auch f√ľr die Experten - wird es mitunter, wenn der Lohn in einem anderen Land erarbeitet wird und auch die √∂ffentliche Hand mit im Spiel ist. Hierbei gilt zum Teil das sogenannte Kassenstaatsprinzip: Der Staat, der den Lohn zahlt, darf auch die Besteuerung durchf√ľhren.

Auch Entwicklungshelfer werden h√§ufig √ľber √∂ffentliche Projekte und damit aus einer ‚Äědeutschen Kasse‚Äú finanziert. Dennoch ist die Besteuerung des Arbeitslohns nicht zwangsl√§ufig immer gleich. Einerseits kommt es darauf an, in welchem Land die Entwicklungshilfe geleistet wird, andererseits ist von Belang, aus welcher Kasse (deutsch, EU, international) die Projekte finanziert werden und - so der Tenor aus einem Urteil des Finanzgerichts Hessen (FG) - ob nur ein Projekt oder mehrere Projekte gleichzeitig betreut werden.

Gestritten wurde in dem Urteilsfall, weil ein Entwicklungshelfer, der seinen Wohnsitz in Tunesien hat, dort f√ľr zwei Projekte t√§tig gewesen war. Das eine Projekt wurde komplett √ľber ein deutsches Programm, das andere teilweise auch aus Mitteln der EU finanziert. Das Finanzamt wollte nun den anteiligen Arbeitslohn f√ľr das deutsche Projekt sowie den anteiligen Arbeitslohn f√ľr das gemischt finanzierte Projekt - zumindest in H√∂he des Anteils der deutschen Finanzierung - versteuern.

Das FG erkl√§rte jedoch, dass die Projekte zwar in ihrer Finanzierungsstruktur einzeln betrachtet werden m√ľssten, gleichwohl aber nur eine vertikale, also projektbezogene Aufteilung des Arbeitslohns erfolgen k√∂nne. F√ľr die Besteuerung des gemischt finanzierten Projekts hatte nach dem geltenden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Tunesien nicht Deutschland, sondern Tunesien das Besteuerungsrecht. Eine horizontale Aufteilung der Bez√ľge, also eine Aufteilung des Lohns je nach Anteil der deutschen Finanzierung innerhalb eines Projekts, ist ausgeschlossen.

Hinweis: Sie haben im Ausland gearbeitet und erkennen den beschriebenen Sachverhalt bei sich wieder? Nicht jedes DBA ist gleich - gerne analysieren wir Ihren Fall ganz konkret. Bitte vereinbaren Sie hierzu einen Beratungstermin.




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