26.08.2018

Nutzung eines Verlustr√ľcktrags: Zu welchem Zeitpunkt entsteht ein Aufl√∂sungsverlust?

Steuerliche Verluste, die im Entstehungsjahr nicht direkt mit positiven Eink√ľnften verrechnet werden k√∂nnen, d√ľrfen √ľber einen Verlustr√ľcktrag in den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum zur√ľckgetragen werden, so dass sie dort ihre steuermindernde Wirkung entfalten k√∂nnen.

Hinweis: Weiter in die Vergangenheit zur√ľckgetragen werden darf der Verlust jedoch nicht. Eink√ľnfte, die zwei Jahre (oder noch fr√ľher) vor dem Verlustentstehungsjahr erzielt wurden, lassen sich daher nicht mehr √ľber einen Verlustr√ľcktrag mindern.

Eheleute aus Th√ľringen haben diese zeitliche Begrenzung nun teuer zu sp√ľren bekommen: Der Ehemann war zu 78,125 % an einer AG beteiligt und als deren Vorstand t√§tig. Nachdem der Vorstand Ende 2011 einen Antrag auf Er√∂ffnung des Insolvenzverfahrens √ľber das Verm√∂gen der AG wegen Zahlungsunf√§higkeit gestellt hatte, lehnte das Amtsgericht den Antrag im M√§rz 2012 mangels Masse ab. Sp√§ter wurde die Gesellschaft wegen Verm√∂genslosigkeit im Handelsregister gel√∂scht.

Da die Eheleute 2010 hohe gewerbliche Eink√ľnfte von 1,35 Mio. ‚ā¨ erzielt hatten, wollten sie vor dem Bundesfinanzhof (BFH) erreichen, dass der Aufl√∂sungsverlust aus der Insolvenz der AG (in H√∂he von 1,4 Mio. ‚ā¨) 2011 angesetzt wird, so dass ein R√ľcktrag nach 2010 er√∂ffnet ist.

Hinweis: In 2010 bestand also ein erhebliches Verrechnungspotential, so dass durch den Verlustr√ľcktrag leicht eine Steuerersparnis von mehreren hunderttausend Euro h√§tte erzielt werden k√∂nnen.

Das Finanzamt war hingegen der Ansicht, dass der Verlust erst nach Ablehnung der Er√∂ffnung des Insolvenzverfahrens in 2012 anzusetzen war, so dass ein R√ľcktrag nach 2010 ausschied.

Der BFH gab nun dem Finanzamt recht und urteilte, dass der Aufl√∂sungsverlust 2011 noch nicht entstanden war, weil es zu diesem Zeitpunkt noch an der zivilrechtlichen Aufl√∂sung der AG fehlte. Aus der L√∂schung der AG im Handelsregister im September 2012 lie√ü sich nach Gerichtsmeinung nicht ableiten, dass die Gesellschaft bereits bei Insolvenzantragsstellung Ende 2011 verm√∂genslos war. Vielmehr stand fest, dass die AG in 2011 noch verschiedene Patente angemeldet hatte und √ľber Bankguthaben und einen Barbestand verf√ľgte. Bei Stellung des Insolvenzantrags war zudem unklar, ob die Gesellschafter tats√§chlich kein Gesellschaftsverm√∂gen zur√ľckerhalten und ob noch Kosten entstehen w√ľrden, die bei der Berechnung des Aufl√∂sungsverlusts zu ber√ľcksichtigen w√§ren.




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