12.11.2017

Behindertengerechter Umbau: Kosten d├╝rfen nicht ├╝ber mehrere Jahre verteilt werden

Wer seine Wohnung oder sein Haus behindertengerecht umbauen l├Ąsst, kann die Kosten hierf├╝r in der Regel als au├čergew├Âhnliche Belastungen in seiner Einkommensteuererkl├Ąrung geltend machen. Beg├╝nstigt sind klassischerweise die Kosten f├╝r die Verbreiterung von T├╝ren, Badvergr├Â├čerungen, den Einbau von Treppenliften und Rollstuhlrampen.

Da auch f├╝r au├čergew├Âhnliche Belastungen das sogenannte Abflussprinzip gilt, m├╝ssen die Aufwendungen regelm├Ą├čig komplett im Jahr der Zahlung steuerlich abgezogen werden. Bei sehr teuren und umfangreichen Bauma├čnahmen f├╝hrt diese Regelung dazu, dass sich die Kosten h├Ąufig nur teilweise steuermindernd auswirken, da sie lediglich den Gesamtbetrag der Eink├╝nfte im Zahlungsjahr mindern und ein Restbetrag nicht, wie beispielsweise Verluste aus Gewerbebetrieb, auf andere Jahre vor- oder zur├╝ckgetragen werden kann.

Ein Ehepaar aus Baden-W├╝rttemberg hat k├╝rzlich vor dem Bundesfinanzhof (BFH) versucht, Kosten von 166.000 ÔéČ f├╝r einen behindertengerechten Hausanbau ├╝ber drei Jahre verteilt abzusetzen. Im Zahlungsjahr 2011 wollten sie 60.000 ÔéČ als au├čergew├Âhnliche Belastungen ber├╝cksichtigt wissen, in den Jahren 2012 und 2013 jeweils die H├Ąlfte des Restbetrags. Nachdem das Finanzamt die Kosten allesamt nur im Jahr der Zahlung angesetzt hatte und sie sich deshalb nur anteilig steuermindernd ausgewirkt hatten, begehrten die Eheleute eine abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr├╝nden.

Hinweis: Nach der Abgabenordnung k├Ânnen Steuern niedriger festgesetzt werden, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falls unbillig w├Ąre. Billigkeitsma├čnahmen sollen H├Ąrten ausgleichen, die der steuerrechtlichen Wertentscheidung des Gesetzgebers nicht entsprechen und damit zu einem vom Gesetzgeber nicht gewollten Ergebnis f├╝hren.

Im Urteilsfall lehnte der BFH jedoch eine abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr├╝nden ab, weil der Komplettabzug im Zahlungsjahr den Wertungen des Einkommensteuergesetzes nicht widersprach. Wirken sich au├čergew├Âhnliche Belastungen im Zahlungsjahr nicht aus, sieht das Gesetz keine M├Âglichkeit vor, den restlichen Betrag in einen anderen Veranlagungszeitraum zu ├╝bertragen. Der BFH verwies darauf, dass eine abweichende Steuerfestsetzung lediglich atypischen Ausnahmef├Ąllen vorbehalten und der vorliegende Fall nicht hierunter zu fassen ist.

Hinweis: Eine Verteilung der Baukosten auf Zeitr├Ąume au├čerhalb des Zahlungsjahres ist also in den allermeisten F├Ąllen nicht m├Âglich. Betroffene k├Ânnen hieraus den Schluss ziehen, dass sie behindertengerechte Umbauten - wenn m├Âglich - ├╝ber mehrere Jahre verteilt vornehmen (und bezahlen) sollten. Bei gr├Â├čeren Bauma├čnahmen kann es sich steuerlich anbieten, sie ├╝ber den Jahreswechsel anzusetzen, so dass Handwerkerrechnungen ├╝ber zwei Veranlagungszeitr├Ąume verteilt bezahlt werden k├Ânnen und ein Kostenabzug so zumindest ├╝ber zwei Jahre verteilt vorgenommen werden kann.




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